· Von HELLO FLOWERS
TOD: Als Fynn Kliemann eine Scheune voller Plastikblumen leerräumte

Im Januar 2025 stellte Fynn Kliemann in Hamburg zwei Wochen lang aus. Der Titel der Ausstellung war TOD. Das Material war zu einem großen Teil: Plastikblumen. Sehr viele Plastikblumen.
Warum ausgerechnet Plastikblumen
Die Ausstellung erschien zum gleichnamigen Album, das am 10. Januar 2025 veröffentlicht wurde und danach nie wieder physisch erhältlich sein sollte. Ein Werk, das seine eigene Endlichkeit eingebaut hat.
In der Beschreibung zur Ausstellung steht ein Gedanke, an dem wir hier nicht vorbeikommen: Kliemann beschäftige die ständige Umwandlung von lebendiger in tote Biomasse — und der verzweifelte menschliche Versuch, Vergänglichkeit durch künstliche Konservierung auszuhebeln. Ausdrücklich genannt: Plastikblumen.
Das ist die unbequeme Version unseres eigenen Verkaufsarguments. Wir schreiben auf jeder zweiten Seite, dass unsere Blumen jede Liebe überdauern. Kliemann fragt: Und was, wenn genau das das Problem ist? Wenn der Wunsch nach dem, was bleibt, nur eine höflichere Formulierung für die Angst vor dem ist, was geht?
Muss nicht für alles, was bleibt, auch etwas sterben?
Das Kreuz mit den Preisschildern

Es ist die Art Arbeit, die sich in einem Satz erklärt und trotzdem hängen bleibt. Ein Grabkreuz, beklebt mit Sonderangebots-Etiketten, wie man sie aus dem Ramschregal kennt. Der Tod als Restposten. Die Trauerfloristik ist eine Milliardenbranche, und ein erheblicher Teil dessen, was auf deutschen Friedhöfen liegt, ist aus Kunststoff.
Blumen als Masse
Das ist der Teil, den man auf keinem Ausstellungsfoto sieht: der Aufbau. Säckeweise Kirschblüten in Klarsichtfolie, gestapelt in einer Scheune, Blüten auf dem Betonboden. Tausend Blüten wirken anders als zehn, unabhängig davon, was sie darstellen. Masse ist ein eigenes ästhetisches Mittel — und sie ist harte Arbeit.

Was das mit uns zu tun hat
Wir verkaufen Plastikblumen und wir behaupten, dass das eine gute Idee ist. Es wäre bequem, diese Ausstellung als nette Referenz zu verbuchen und weiterzumachen. Ehrlicher ist: Sie stellt unser Produkt in Frage, und sie hat damit recht.
Eine Blume, die nicht verwelken kann, nimmt dir eine Erfahrung ab. Die verwelkende Blume auf dem Küchentisch ist ein kleiner, harmloser Probelauf für alles, was sonst noch vergeht. Wer sie durch eine ersetzt, die bleibt, tauscht diese Übung gegen Bequemlichkeit.
Wir finden den Tausch trotzdem gut. Aber wir finden es besser, ihn zu benennen, als so zu tun, als gäbe es ihn nicht.

Was bleibt
Die Ausstellung ist seit Januar 2025 vorbei. Das Album ist physisch nicht mehr zu haben. Die Blumen stehen irgendwo und sehen aus wie am ersten Tag. Von den drei Dingen ist ausgerechnet das unechte das einzige, das noch da ist.
Man kann darin einen Triumph sehen oder eine Pointe. Wir sind uns bis heute nicht sicher.